Skip to content

Flora & Fauna

Das stille Leben des Waldes

Mitten im größten Laubwald Mitteleuropas

Waldesruh liegt im Biosphärenpark Wienerwald – dem größten zusammenhängenden Laubwaldgebiet Mitteleuropas und seit 2005 UNESCO-Biosphärenreservat. Als Natura-2000-Schutzgebiet steht er unter besonderem Schutz für seltene Pflanzen, Vögel und Lebensräume. Eigentümerin des Waldes ist die Stadt Wien, bewirtschaftet wird er von der MA 49 nach den Grundsätzen einer nachhaltigen, naturnahen Waldpflege.

Rund um Waldesruh prägt der sogenannte Flysch-Wienerwald das Bild: schwere, tonige Böden, sanfte Hügelformen, eingeschnittene Bachtäler. Natürliche Leitbaumart ist die Buche – begleitet von Eiche und Hainbuche, dazu Ahorn, Linde, Tanne und Kiefer.

Waldesruh – Infoboxen (überarbeitet)

Auf einen Blick

Die wichtigsten Fakten kurz zusammengefasst:

Größtes zusammenhängendes Laubwaldgebiet Mitteleuropas

UNESCO-Biosphärenpark Wienerwald – seit 2005

Natura-2000-Schutzgebiet (Fauna-Flora-Habitat & Vogelschutz)

Im Eigentum der Stadt Wien, gepflegt von der MA 49

Drei Baumarten, drei Charaktere

Sie prägen den Wald rund um Waldesruh wie kaum andere Arten – jede auf ihre eigene, sehr unterschiedliche Weise.

Quercus robur

Stieleiche

Die Jahrtausendeiche

30–35 m hoch
bis 1.000 Jahre alt
ab 60 Jahren die ersten Früchte
 

Kaum ein heimischer Baum wird so alt wie die Eiche – bis zu 1.000 Jahre. Ihre silbergraue, später tiefrissige Borke und die knorrigen, weit ausladenden Äste machen sie unverwechselbar. Wer sich einen Ruheplatz unter einer solchen Eiche wünscht, wählt einen Baum, der über Generationen hinweg wächst und Bestand hat.

Wussten Sie?
Von rund 10 Millionen Eicheln, die eine Eiche in ihrem Leben produziert, wachsen im Schnitt nur 1 bis 10 zu einem neuen Baum heran.
Fagus sylvatica

Rotbuche

Die Baumeisterin des Wienerwaldes

20–30 m hoch
150-300 Jahre alt
bis 1000 l Wasser/Tag
 

Die Rotbuche ist die natürliche Leitbaumart des Wienerwaldes – kein anderer Baum prägt diese Landschaft so sehr. Ihr Name stammt vom leicht rötlichen, harten Holz.

 
Wussten Sie?
An heißen Sommertagen verdunstet eine große, freistehende Altbuche 700 bis über 1.000 Liter Wasser – und kühlt damit nicht nur sich selbst, sondern den ganzen Wald.
Carpinus betulus

Hainbuche

Das Eisenholz

15–20 m hoch
150-200 Jahre alt
Familie Birkengewächs
 

Trotz ihres Namens ist die Hainbuche gar keine Buche, sondern gehört zur Familie der Birkengewächse. Ihr Holz ist so hart und dicht, dass es früher „Eisenholz” genannt wurde.

 
Wussten Sie?
Charakteristisch sind die muskelartig wirkenden Längswülste am Stamm – als zeige der Baum unter seiner glatten Rinde die Kraft seines Holzes.
 

Tierisch

Ein toter Baumstamm, eine morsche Wurzel, abgestorbene Äste in der Krone – für das ungeübte Auge wirkt das nach Stillstand. Für den Wald ist es das Gegenteil: Totholz zählt zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Fünf seiner bemerkenswertesten Bewohner stellen wir Ihnen vor.

Hirschkäfer

Der größte Käfer Mitteleuropas – und trotz seines wehrhaften Geweihs ein friedlicher Zeitgenosse. Die auffälligen „Geweihe" der Männchen dienen vor allem Rivalenkämpfen. Weibchen beißen mit ihren kleineren Mandibeln kräftiger zu und vergrößern damit Rindenwunden, aus denen beide Pflanzensäfte lecken.

In einem Naturpark in London wurde testweise ein 120 Meter langer Weg mit Hartholz-Hackschnitzeln angelegt. Als er sechs Jahre später abgetragen wurde, fanden sich darin über 750 Hirschkäferlarven in allen Entwicklungsstadien – der Weg war von Anfang an als Kinderstube genutzt worden.

Holzwespe

Sie legt nicht nur ein Ei ins Holz – sie legt gleich die passende Landwirtschaft mit an. Mit ihrem Legebohrer bringt das Weibchen Eier und Pilzsporen der Gattung Amylostereum zugleich ins Holz. Der Pilz baut das Holz ab und liefert die Nährstoffe für die Larve.

Man kann es sich wie eine Art Pilzlandwirtschaft vorstellen: Die Mutter legt mit dem Ei zugleich den späteren Nahrungsvorrat für ihren Nachwuchs an.

Eichengallwespe

Nur wenige Millimeter groß – und doch Urheberin der auffälligen Galläpfel an Eichen. Im Sommer schlüpft eine geschlechtliche Generation und legt Eier an Eichenblättern ab – daraus entstehen die Galläpfel. Im Winter folgt eine rein weibliche Generation, die sich ohne Befruchtung fortpflanzt.

Wie genau die Larve den Baum dazu bringt, für sie eine Galle als geschütztes „Kinderzimmer” samt Nahrungsvorrat zu bilden, ist bis heute nicht vollständig erforscht – vermutet werden gezielt abgegebene Signalstoffe und Enzyme.

Alpenbock

Hellblau-grau mit schwarzen Flecken – einer der auffälligsten und zugleich bestgetarntesten Käfer Europas. Auf der grau gesprenkelten Rinde alter Buchen verschwindet der Alpenbock fast vollständig. Er lebt in sonnigen Buchenwäldern und ist auf Totholz angewiesen.

Weil alte Wälder und stehendes Totholz seltener werden, ist der Alpenbock heute streng geschützt – ein Bewohner, der auf genau jene naturnahen, totholzreichen Wälder angewiesen ist, wie sie der Biosphärenpark Wienerwald bietet.

Holzwespen-Schlupfwespe

Bis zu 35 mm lang, mit einem Legebohrer, der fünf Zentimeter tief ins Holz reicht. Mithilfe von Geruchs- und Vibrationsreizen spürt das Weibchen Holzwespenlarven tief im Holz auf, bohrt ihr Ei direkt zum Opfer und lähmt es, ohne es zu töten.

Mit ihrer schwarz-weißen Zeichnung und den leuchtend orangeroten Beinen zählt sie zu den größten parasitoiden Wespen Europas – und sorgt ganz nebenbei dafür, dass sich Holzwespenbestände natürlich regulieren.

Der Wald spricht – nur nicht mit Worten

Bäume kommunizieren miteinander: über die Luft mit Duftstoffen, unter der Erde über das Geflecht der Mykorrhiza-Pilze.

Über dieses Myzel tauschen sie Wasser, Nährstoffe und Signale aus – ältere Bäume unterstützen dabei oft die schwächeren und ihren eigenen Nachwuchs. Kein Baum steht wirklich allein.

Waldesruh – Kreislauf-Liste (ohne Nummerierung)
  1. Blätter produzieren Zucker

  2. Wurzeln liefern Wasser

  3. Pilze transportieren Nährstoffe

  4. Tiere verbreiten Samen

  5. Mikroorganismen bauen ab, was übrig bleibt

Auch eine Naturbestattung fügt sich in dieses Netzwerk ein – nicht getrennt vom Leben des Waldes, sondern eingebunden in seinen Kreislauf.

Neugierig geworden?

Melden Sie sich zu einer Führung durch Waldesruh an – wir zeigen Ihnen den Wald, die Baumplätze und beantworten Ihre Fragen zur Vorsorge.

Die fachlichen Inhalte entstanden in Zusammenarbeit mit Green City Vienna und der MA 49.